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Eine neue AG?

Die Näh-AG – etwas für‘s Herz

Konzentrierte Stille, ab und zu unterbrochen von leisen Gesprächen und den Geräuschen einer Nähmaschine, herrscht jeden Montag in der B15. Na gut, vielleicht nicht komplette Stille und das auch nicht die komplette 8. und 9. Stunde durch, aber trotzdem steigt der Geräuschpegel nicht so hoch, wie in vielen Klassenzimmern über die Pausen – oder bei so manchem Lehrer.

Von was ich rede? Von der neuen Näh-AG (oder GTA). Ins Leben wurde diese von Frau Ketzel gerufen. Als Herr Dr. Müller C. sie fragte, ob sie sich nicht dafür interessieren würde, eine Schulgartengruppe zu leiten, fielen  Frau Ketzel jedoch sofort Regen und  schlammbedeckte Gummistiefeln ein, weshalb dieser Vorschlag einstimmig abgelehnt wurde. Dann wurde ihr jedoch von jemandem gesagt, dass es Nähmaschinen in der Schule gibt und sie schlug stattdessen vor, dass sie eine Näh-AG gründet. Außerdem wäre es doch blöd, wenn die Maschinen nicht genutzt werden würden, oder?
Als ich frage, warum sie diese Gruppe gegründet hat, bekomme ich als einfache Antwort: Weil es etwas für‘s Herz ist. Schon als Kind mochte Frau Ketzel das Nähen und sieht es als guten Ausgleich zu alldem „Wissen aus dem Buch“, welches wir in der Schule eingetrichtert bekommen.

Aber jetzt zu denen, die diesem Projekt Leben einhauchen; die Teilnehmer. Zunächst werde ich ein wenig misstrauisch beäugt, aber schon nach einigen Minuten habe ich eine Gruppe von Gesprächspartnern. Als die AG beginnt, dürfen alle die Nähmaschinen aus dem Schrank holen. Ein Radio wird geholt und es finden sich kleine Arbeitsgruppen zusammen, welche zu arbeiten beginnen oder den Ablauf zu besprechen. Es wird sofort losgearbeitet, Stellen mit Stecknadeln abgesteckt, Zwirn in die winzigen Nadelöre eingefädelt und die Pedale werden getreten. Das alles geschieht mit, zumindest für mich, erstaunlicher Professionalität.

Für wen das nichts ist; Auch Kordeln werden hier gedreht und Aufdrucke auf den Stoff gebügelt. Hauptsächlich werden heute allerdings Beutel genäht, da mit leichteren Arbeiten begonnen werden soll, um die Nähmaschinen zunächst einmal kennenzulernen. Für die Zukunft hat Frau Ketzel auch schon einige Ideen. Da bisher nur Mädchen in der Näh-AG vertreten sind, will sie Kosmetiktaschen und Loopschals nähen, wobei vor allem auf alte Textilien gesetzt werden soll. Auch über neue Stoffe wird nachgedacht, doch da muss auf das AG-Budget geachtet werden. Natürlich werden auch die Wünsche der Mitglieder beachtet. Wer also gerne einen Teddybären für die Schwester zum Geburtstag nähen will, dem wird gerne eine Anleitung gegeben. Dann möchte Frau Ketzel erstmal sehen, wie weit sie kommen und später improvisieren, vielleicht Schnitte aus dem Internet ausprobieren.

Eine außergewöhnliche gegenseitige Hilfsbereitschaft herrscht in dem Raum. Es wird diskutiert, sich gegenseitig unterstützt und auch herumgealbert. Das Raumklima ist sehr angenehm, es herrscht eine entspannte Atmosphäre. Ich entscheide mich ein wenig herum zufragen, warum man denn an der GTA teilnimmt. Ich bekomme verschiedene Antworten von „Es hat einen Nutzen für das Leben.“ bis zu „Es macht einfach Spaß!“. Die Idee, Teures selbst machen zu können begeistert die Schüler. Manche wollen auch einfach nur neues lernen, weil sie zuhause nicht dazu kommen groß zu nähen, obwohl sie es von ihrer Familie gelernt haben. Jemand anderes hat keine Nähmschine zuhause und kann dort deshalb nur von Hand nähen und eine letzte Person war einfach interessiert und ist mit ihrer Freundin mitgegangen.

Auch wird mir mehrmals gesagt, dass die Erwartungen mit denen die Teilnehmer an die AG herangegangen sind vollständig erfüllt wurden – und ich sitze nur da und denke an die alte Film AG in der irgendwie alles schief ging, jeder mit falschen Erwartungen herangegangen und die wohl das unproduktivste war, was ich je gesehen habe, so Leid es mir tut, das zu schreiben. Und obwohl es für den ein oder anderen knapp werden könnte, bleibt jeder bis zum Ende und hilft beim Aufräumen – welches genauso reibungslos verläuft, wie der Aufbau.

Und während all der Zeit ist Frau Ketzel stets mit viel Geduld für alle da und hilft den Mitgliedern der AG mit aller Kraft, Rat und Tat. Die Stunde vergeht wie im Fluge und ich war überrascht, als es hieß die Zeit sei um. Dann schließe ich diesen Artikel mal mit der Meinung der Teilnehmerinnen, der ich mich nur anschließen kann:

Es war eine gute Idee von Frau Ketzel, diese AG zu gründen, die so viel Spaß macht. Natürlich braucht man eine gewisse Konzentrationsfähigkeit und sollte nicht zu schnell frustriert sein, aber man kann sich umso mehr kreativ ausleben und Dinge probieren, die man schon immer mal machen wollte. Es ist spannend, es wird auf Wünsche eingegangen und es ist an sich toll, dass Sachen auch wiederverwertet werden. Es wird stets von allen Seiten geholfen und man soll sich keine Sorgen machen, dass man sich sticht. Wenn man die Regeln beachtet, ist dies auf jeden Fall die Ausnahme. Sollte es doch einmal passieren ist es jedoch das Letzte, woran man sterben würde.

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